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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hüftathrose von Lou


ralf-fennig
08.05.2011, 22:44
Hallo!
Ich ahne das ich NIE sagen würde "jetzt ist es so weit" - aber weil man mich bat diese "Frage" nicht nur im Vorstellungsbereich zu stellen kopiere ich sie hier einfach hin.
Vielleicht mag mir jemand etwas dazu schreiben?
Der Tierarzt hier vor Ort würde ihn wohl einschläfern. Von dem habe ich schon gehört das er Junghunde mit Beinbrüchen einschläfern wollte...
Der taugt also nichts für eine "zweite Meinung".
"Sein" Tierarzt ist der Tierarzt des Tierschutzhofes, dessen "Eigentum" Lou ist.

Es ist auch so das ich teilweise wenn ich mit Lou spazieren gehe schon übelst von "Hundefreunden" beschimpft wurde weil Lou so vorsichtig geht. Aber wenn er dann wieder irgendwo schnuffelt...
Naja, ich will ihn nicht verlieren. Aber ich will ihn auch nicht quälen.

Hier das, was ich im Vorstellungsbereich schrieb:

Ich habe ihn vor drei Jahren aus dem Tierheim als Dauerpflege-Hund aufgenommen, weil er damals schon geschätzte 10 Jahre alt war, die Probleme mit seiner Hüftathrose langsam anfingen (bei schnellerem Laufen sah man die Unregelmäßigkeit) und er schon aus zwei Stellen wieder zurück ins Tierheim gebracht wurde.
Sicher brauchte ich etwas (und er auch) bis ich ihn als "meinen Hund" annahm - und er mich als "seinen Menschen". Ich musste seine Eigenheiten kennen und lieben lernen - und auch er hat mich in den ersten Wochen nur aus Entfernung "beobachtet".

Naja, aber weil wir eigentlich beide ganz lieb sind haben wir uns aneinander gewöhnt. Vielleicht sogar etwas zu sehr aneinander gewöhnt dafür das er eben alt und schwach ist.
Vielleicht bin ich auch nur zu sehr auf ihn fixiert weil ich allein mit ihm hier lebe - und er dementsprechend zu meinem besten Freund geworden ist mit dem ich alles bespreche (ich weiß dass das albern ist - braucht mir keiner sagen).

Vorgestern war ich mit ihm beim Tierarzt. Wie ich dachte nur zur Routineuntersuchung...
Kam anders.
Vor drei Monaten sagte mir der Tierarzt noch "so lang er frisst und aufstehen will (sich nicht gegen das aufstehen wehrt) ist es noch vertretbar!" - vorgestern sagte er mir "die Grenze ist eigentlich schon überschritten. Wir müssen uns Gedanken darüber machen ihn einzuschläfern!" - er hat mir nochmal 20 Rimadyl mitgegeben (reicht für 10-14 Tage) und angekündigt mit dem Tierschutzhof, die ja immer noch die rechtmäßigen Eigentümer von Lou sind, nochmal reden zu wollen.
Ich rechne jetzt damit das anfang der Woche ein Anruf kommt mit der Bitte einen Termin auszumachen damit der Tierarzt hier herkommt und ihm die Spritze gibt...

Ich habe damals mein Wort gegeben nicht zu rebellieren wenn dieser Tag kommt.
Ich möchte Lou auch nicht quälen. Das hat er nicht verdient.
Der Tierarzt sagt das Symptome wie "während des Fressens immer mal zwischendurch ein paar Kreise laufen" daher kommen das er Schmerzen beim stehen hat die er mit Laufen lindert. Oder dass das vorsichtige "sich hinlegen" von Schmerzen herkommt.
Ich will nicht das er Schmerzen hat.
Aber dann denke ich wieder: Er frisst. Und er frisst gut - zwei 1250 g-Dosen Nassfutter kriegt er locker am Tag weg wenn ich ihn lasse. Daneben reißt er mir dann noch Matjesfilets aus der Hand wenn er sie kriegen kann - oder Kaustreifen oder Milchdrops.
Und laufen - ja gut, er geht sehr stakelig, beim aufstehen braucht er oft Hilfe. Und mehr als ein Kilometer ist auf keinen Fall drin (normalerweise sind unsere Runden derzeit zwischen 300 und 800 Meter).
Da sind dann wieder meine Zweifel und der Gedanke "ich will Lou nicht töten!".

Ich weiß nicht warum ich das hier schreibe - vielleicht ist da noch Hoffnung das mir jemand schreibt "Du brauchst das nicht tun - Lou kann noch Monate und Jahre bei Dir leben wenn Du diese und jene Regel beachtest!". Vielleicht will ich auch nur "jede Chance nutzen" bevor ich einverstanden bin Lou umzubringen.
Ich habe diesen Hund unheimlich lieb. Könnt ihr das verstehen?

Katja
08.05.2011, 23:06
Huhu Ralf,

oh ja, kann ich verstehen. Besser, als mir lieb ist sogar.

Letztendlich finde ich bist du der Einzige, der beurteilen kann ob es jetzt für Lou an der Zeit ist zu gehen - oder eben noch nicht. Du kennst ihn am allerbesten, du lebst jeden Tag mit ihm zusammen und wenn du die Augen nicht krampfhaft verschließt wirst du auch erkennen, wenns soweit ist. Ob das ein TA erkennen kann, der bei nem Beinbruch schon einschläfern will? Wage ich zu bezweifeln...

Wieviel Rimadyl kriegt er denn? Und sonst noch irgendwas, Nahrungsergänzung oder so? Physiotherapie? Da gäbs bestimmt noch Ansätze. Natürlich nix, was die Arthrose wegzaubert, das ist klar. Aber die Schmerzen, die er selbstverständlich nicht haben soll, die kann man lindern, denke ich.

ralf-fennig
09.05.2011, 00:25
Zu DEM Tierarzt würde ich auch niemals gehen. Höhestens um Rimadyl nachzukaufen wenn es mir ausgegangen ist und ich sonst keines bekommen kann.
Lous Tierarzt kann und weiß eigentlich schon viel. Bislang sagte er auch immer das "Fressen" das ausschlaggebende Argument wäre. Nur - ich weiß nicht ob da vielleicht noch anderer Druck hintersteht. Wie gesagt: Es gibt hier vor Ort nicht wenige Leute die es für Tierquälerei halten einen Hund leben zu lassen der in der "Wildniss" auch keine Chance hätte.
Ist natürlich Blödsinn - kaum ein Hund würde in der Wildniss überleben - aber diese Typen rufen seit Monaten überall an (Polizei, Ordnungsamt, Veterinäramt, Tierschutzvereine,...). Irre - seit fast zwei Jahren habe ich das, mit steigender Tendenz. Und wir sind MINDESTENS dreimal im Jahr beim TA gewesen um Lou "checken" zu lassen. In diesem Jahr (2011) schon zweimal. Aber ein Hund darf ja nicht langsam laufen - meinen diese Deppen. Und wenn wir eine Pause zuviel machen müssen ist das "Tierquälerei".

Ohne ihm (dem TA) irgendwas unterstellen zu wollen: Es KÖNNTE sein das er diesen "Terror" einfach satt hat. Ist aber nur eine vage Vermutung.

ralf-fennig
09.05.2011, 00:28
Thema Rimadyl:
Lou wiegt etwa 30 kg - ich gebe ihm zwischen 100 und 200 mg am Tag. Beobachte aber: Wenn an einzelnen Tagen KEIN Rimadyl da ist geht es auch mal einen Tag ohne. Länger als drei Tage "ohne" habe ich aber noch nicht riskiert. Spätestens dann war bislang immer Nachschub da.

Petra
09.05.2011, 15:12
Hallo Ralf,

ich finde auch, du kennst den Hund am besten und er wird dir zeigen, wenn er nicht mehr kann/will.

Ich kann mich nur den anderen anschließen: eine 2. Meinung einholen

Was mir bei Gelenkschmerzen/Arthrosen immer sofort durch den Kopf geht ist Goldakupunktur.
Ich weiß nicht, ob das evt. in Frage kommt, aber vielleicht kannst du bei einem anderen TA mal danach fragen.

Kaffeepause
09.05.2011, 16:42
Hallo Ralf,

eine schwierige Situation, in der wir im Moment auch stecken. Zum Glueck bleiben uns solche wie von Dir beschriebenen "Telefonaktionen" erspart - aber auch Kalle und ich bekommen diese mitleidigen bis vorwurfsvollen Blicke von Passanten beim Gassigehen. Ich muss zugeben, dass er an manchen Tagen wirklich klaeglich durch die Gegend schlurft, ich muss ihn hinten komplett stuetzen (Degenerative Myelopathie mit fast kompletter Laehmung hinten), meistens joggt er aber wie ein Irrer durch die Gegend und inzwischen habe ich einen inneren Panzer aufgebaut, an dem diese Blicke abprallen.

Einige Leute haben auch schon das Gespraech mit uns gesucht, Sprueche a la "manchmal muss man gehen lassen" oder "oh gottchen, hat der Schmerzen?" ich habe allerdings den grossen Vorteil, dass ich erklaeren kann, dass er keine Schmerzen hat und wir eben "den Schritt" wohl diesen Sommer noch gehen muessen, falls die Laehmung nach vorne bzw. die Atmung uebergreift. Das kurze Gespraech laesst die meisten dann verstummen und verstaendnisvoll Nicken ...

Unterm Strich kann ich mich nur meinen Vorrednern anschliessen, Du kennst den Hund, zur Not hol Dir noch eine weitere Meinung. Uns wurde von 2 TA zum einschlaefern geraten, ich hatte schon einen Termin, den ich aber einfach nicht wahrnehmen konnte, da es absolut GEGEN MEIN BAUCHGEFUEHL ging. Da ich den Dicken ja schon so lange kenne, kann ich es mir wohl auch herausnehmen, den Zeitpunkt selbst zu bestimmen. Ich habe mich wahnsinnig bedraengt gefuehlt, inzwischen fuehle ich mich einfach nur noch befreit, da ich weiss: wir haben die richtige Entscheidung getroffen- mein Mann und ich werden jetzt die naechsten Wochen abwarten, auch wir werden ihn nicht leiden lassen, aber solange er noch frisst und das Feuer in den Augen hat, solange bleibt er :j:

Ich weiss natuerlich nicht, wie es mit einem Pflegehund einhergeht, aber solange Du bereit bist, ihn weiter zu begleiten, bis Du zu einem Punkt kommst, an dem Du erkennst, dass Lou nicht mehr kann, sollten die eigentlich auch nichts dagegen haben.

Mein Hundetrainer hat einmal gesagt: Eigentlich sollten wir es als Privileg ansehen, unseren Tieren die Moeglichkeit eines wuerdevollen Lebens, aber auch Sterbens zu geben (sinngemaess, er hatte einen etwas anderen Wortlaut). Ich wuenschte dennoch, ich muesste diese Entscheidung nie fuer meinen Hund treffen, ich wuenschte mir, Kalle wuerde einfach friedlich von alleine einschlafen Ichh denke, Dir geht es mit Lou genauso, darum alles Gute euch beiden!

Katja
09.05.2011, 22:07
Huhu Ralf,

Rimadyl ist mengenmäßig dann schon richtig, denke ich. Zum Vergleich: meine 15kg-Hündin kriegt 50 mg am Tag, meine 8kg-Hündin bei Bedarf 25 mg. Passt also bei Lou, würde ich meinen :smile2:

Das mit den Anrufen beim TA kenn ich auch! Das haben nämlich damals ganz doll mutige Menschen gemacht, als mein inzwischen verstorbener Fips noch im Tierheim war. Der TA solle "dieser Quälerei doch ein Ende machen" hieß es. Und selbiger TA hat mir später, als Fips dann schon mein Hund war, wortwörtlich gesagt, dass das Tierheim ihn schon rein aus Imagegründen hätte einschläfern lassen sollen. Fips hatte danach noch fast 8 Jahre - gute und glückliche Jahre...

Was ich auf jeden Fall machen würde bei Lou wäre Glucosamin und Chondroitin zufüttern, Superflex 3 zum Beispiel oder das Gelenkflex aus dem Barfshop. Da gibts auch Kollagenhydrolysat, das wäre auch noch ne Überlegung wert. Physiotherapie würde ich ebenfalls ins Auge fassen, da ist garantiert noch ne Verbesserung drin und ein guter Therapeut zeigt dir auch, was und wie du mit Lou zuhause üben kannst. Klassische Akupunktur oder auch die genannte Goldakupunktur gäbs noch... und wenn die Hinterbeine nicht mehr wollen, aber der Rest vom Lou sehr wohl noch: dafür wurden Rollwagen gemacht.

Vielleicht kannst du mal ein Video von Lou machen und das hier einstellen? Ich würde echt gerne mal gucken, was die Leute da so furchtbar schreckliches zu sehen glauben. Ein alter Hund hüpft halt nicht mehr durch die Gegend wie ein Halbstarker und das geht uns wohl nicht anders.

ralf-fennig
10.05.2011, 00:53
Ja - meines Wissens ist die "therapeutische Breite" von Carprofen (der Wirkstoff in Rimadyl) 4-6 mg je kg Körpergewicht. Da sind 200 mg dann etwas "überdosiert" - aber dafür gibt es dann Tage an denen er nur 150 mg kriegt.
Jene, die wirklich fragen - die kann man überzeugen. Das stimmt. Denen sage ich meist das Lou in tierärztlicher Behandlung ist, das es eine Hüftathrose ist die er hat, das seine Magerkeit hauptsächlich durch den Abbau von Muskulatur herrührt, das Lou nur so weit laufen muss wie er kann und ich kein Problem damit habe nach SEINEN Bedürfnissen Pausen einzulegen, das ich ihn auch mal ein paar Meter tragen kann, etc. pp. - alles was ich eben sagen kann.
Wenn aber Leute meinen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben - und mich auf der Straße mehr oder weniger anpöbeln oder sich garnicht äußern und hintenrum irgendwelche Anrufe tätigen - dann kann ich denen nicht weiterhelfen.
Es gibt dann auch noch die, die wirklich Verständnis haben. Die vielleicht auch sehen wie ich mit Lou umgehe.

Zum Glück haben wir hier eine nette Amtstierärztin die Lou noch von früher kennt (es gab vor drei Jahren einen Vorfall bei dem Lous Zahn in der Wange eines meiner Pfadfinders gelandet ist der ihn im Schlaf erschreckt hat - kein richtiger Biss, aber eben ein kleines Loch - die Sache wurde damals angezeigt und untersucht). Sie weiß das Lou hier nicht gequält wird. Und eigentlich ist der Tierschutzhof-Tierarzt auch ein Netter.
Wenn hier irgendwelche Pfuscher ihr unwesen treiben würden hätte man mir Lou wahrscheinlich schon Zwangs-Eingeschläfert. Jetzt darf ich wenigstens mitreden.

Pino&Lilly
10.05.2011, 23:25
Hallo Ralf,

Was mir bei Gelenkschmerzen/Arthrosen immer sofort durch den Kopf geht ist Goldakupunktur.
Ich weiß nicht, ob das evt. in Frage kommt, aber vielleicht kannst du bei einem anderen TA mal danach fragen.


lilly hat ja auch die goldakupunktur bekommen, wegen ihrer schmerzen durch die arthrose. sie hat ihr auch ca 2 monate geholfen. sie lief sehr viel besser, aber dann wurde es wieder schlimmer. man konnte von tag zu tag sehen, das ihr laufen schlimmer wurde. inzwischen läuft sie nur noch auf drei beinen. ausser wenn sie rennt, dann benutzt sie das schlimme bein auch.
mein ta meinte man könnte das gold nochmal an die hüfte punktieren (lilly hat es ja ins ohr bekommen). aber bevor das in zwei monaten auch wieder nicht hilft, lasse ich sie, wenn ich das geld zusammen habe, operieren.

ralf-fennig
11.05.2011, 17:03
Es ist vorbei. Heute habe ich folgende Mail vom Tierschutzhof bekommen:

Hallo Herr Fennig
Ich kann Sie wirklich verstehen.Aber die Sache mit dem,solange er frisst,
ist Blödsinn.Ihn noch länger am Leben zu halten ist Quälerei.
Ich bitte Sie Ihn noch diese Woche zu erlösen.Es ist völlig egal was andere
Leute dazu sagen.Er kann ja auch teilweise nicht mehr kontrollieren
wann er pinkeln muss,und das ist für Lou würdelos.
Also bitte,diese Woche noch.Alles andere wäre egoistisch.

mfgDas war die letzte "Berufungsinstanz". Lous Eigentümer. Ich bin nur sein Pfleger.
Für Montag (diese letzte Gnadenfrist habe ich mit seinem Arzt ausgehandelt) ist um 19 Uhr sein Hinrichtungstermin. Und ich gebe das Signal meinen Freund töten zu lassen.
Tja - scheiße. Was anderes kann ich nicht mehr sagen

Katja
11.05.2011, 19:34
WAS???? Wann hat dieser Mensch (ist ja wohl einer, auch wenn ich es kaum glauben kann!) Lou denn zum letzten Mal gesehen???

Und was soll dieses "er kann nicht mehr kontrollieren wann er pinkeln muss"?? Er ist inkontinent oder wie darf ich das verstehen?? Ja, herzlichen Glückwunsch!! Das is ne Bekannte nach der Geburt ihres Kindes auch, werde ihr ausrichten, dass das voll würdelos is und sie als Hund eingeschläfert werden würde. Unfassbar!!!

Bitte teile mir doch per PN mit um welchen Tierschutzhof es sich da handelt. Nicht, dass da nochmal versehentlich ne Spende von mir landet.

Könnt kotzen.

bobby
11.05.2011, 21:30
Was ist den das für eine sch...... Antwort.
Bobby ist jetzt 14 Jahre alt, bewegt sich nur noch im Rolli, ist teilweise undicht aber er liebt sein Leben.
Man ist das kotzig.
Der kann das doch gar nicht beurteilen ob Lou noch Leben will.
Mach was der darf nicht sterben wen er doch Leben will, geh zu einem Anwalt keine Ahnung was man machen kann.
Ich bin einfach nur entsetzt

Katja
11.05.2011, 22:14
Die Frage nach dem Namen des Tierschutzhofes hat sich erledigt, Google hats mir schon verraten...

ralf-fennig
12.05.2011, 02:02
Ich habe keine Chance mehr.
Ich kann nichts mehr tun.
ALLE relevanten Stellen (außer mir und Lou) plädieren auf "Todesstrafe". Und das jetzt (die Mail seines Eigentümers) war das Urteil.
Sicher - "gesehen" hat ihn nur SEIN Tierarzt (und eine junge Tierärztin, die dabei war) und ich. Und ein Dutzend Laien die meinen das ein humpelnder Hund ein Unding wäre.
Seine Hundetrainerin (die ihn seit 11 Monaten nicht mehr gesehen hat) sagt das er schon damals abgebaut hatte. Das sie sich gut vorstellen kann das er sich quält - und das ein "nicht mehr fressen" zwar ein Zeichen wäre das er ÜBERHAUPT nicht mehr will - das ein "fressen" aber im Gegenzug kein sicheres Zeichen sein müsse das er sein Leben genießt.
Die Kreisveterinärin vertraut mir ein Stück weit (sie kennt Lou und mich wegen einer anderen Sache vor etwa drei Jahren als sie uns besuchen musste) - hat aber immer mehr auf Klärung der Sachlage gedrängt weil sie mit Telefonanrufen bedrängt wurde. Ich kann mir nicht vorstellen das von dort ein Veto zu erwarten wäre.
Der Tierschutzhof vertraut auf die Tierärzte - und hat wahrscheinlich auch sein Image im Hinterkopf wenn immer mehr Leute Lous Tod fordern.

Wer bliebe da noch der glaubhaft auch vor Juristen vertreten könnte
"dieser Hund ist (wahrscheinlich) fast 14 Jahre alt und sieht entsprechend "alt" aus. Zudem hat er starke Hüftprobleme die ihn durch die Gegend stolpern lassen. Und er hat auch Muskulatur abgebaut so das er mager aussieht. Wer ihn sieht denkt sich Wunder was für ein erbärmlich gequältes Wesen er da sieht - aber weil er frisst heißt das er will leben. Und obwohl es nicht besser werden wird - dann muss er so lang leben dürfen!"
Kein Gericht der Welt würde die Einschläferung verhindern.

Deshalb schrieb ich: Es ist vorbei.
Am Montag abend werde ich einen toten Lou zum Tierfriedhof fahren.
Und dieser Abend wird mir das Herz brechen. :(

Ich kann mich nur trösten indem ich mir sage das ich es nur auf Wochen, höhestens Monate herauszögern könnte. Das ich immer Angst hätte "wie geht es ihm wohl morgen? Muss ich ihn dann wieder allein lassen weil er den Weg nicht schaffen würde? (als Frührentner mache ich fast nur Sachen bei denen Lou grundsätzlich dabei sein kann - weil ich keinen PKW habe müsste er aber mitlaufen. WENN er das nicht kann sitzt er hier und weint weil er nicht versteht warum ich auf einmal anfange ihn hier zurück zu lassen).
Nur diese Gedanken sind ein kleiner Trost für mich.

ralf-fennig
12.05.2011, 02:11
Die Frage nach dem Namen des Tierschutzhofes hat sich erledigt, Google hats mir schon verraten...

Urteile nicht zu hart mit ihnen. Aus ihrer Sicht ist es schlüssig.

Als "behinderter Mensch" mit "behindertem Hund" sehe ich es wohl speziell.
Wenn ich an die Zeit denke in der ich mit einer fast nicht mehr "Leistung" zu nennenden Herzleistung im Bett lag und nicht wusste was mit mir los ist (vielleicht ein wenig mit der Situation eines Hundes vergleichbar der schwer krank ist) - selbst in der Zeit wo ich vor Schwäche einzelne Cornflakes zu Hauptmahlzeiten gegessen habe - und sogar als ich damit rechnete in dem Bett zu sterben weil ich nicht einmal aufstehen konnte - sterben WOLLEN wollte ich nie.
Und solang derjenige mich nicht anstrengte indem er mir etwas erzählte über das ich nachdenken musste oder so - war ich dankbar wenn jemand einfach da war.
Solch einen Zustand kennen Viele nicht.

DAVON ist Lou noch weit entfernt. Aber ICH habe eben das Gefühl er freut sich wenn er sich abends im Bett an mich kuschelt und in den Schlaf gekrault wird.
Nur: Für Menschen die denken nur volle Leistungsfähigkeit wäre lebenswert sind das zu kleine Freuden.

Vielleicht würde ich ohne diese Erfahrungen genauso denken?

Beate
12.05.2011, 11:02
Huhu Ralf,

mir fehlen jetzt echt die Worte über den Wortlaut der Mail die du bekommen hast, gefühlloser ging es jetzt wohl nicht mehr, ich bin erschüttert über soviel kälte.

Was kann man dir jetzt als Trost schreiben? Ralf es tut mir leid, mir fällt wirklich nichts ein was dich trösten könnte. Ich kann dich sehr gut verstehen wie du dich im Moment fühlst, nicht genug das jemand darüber bestimmt was mit deinem Hund passieren soll obwohl er/sie ihn gar nicht wirklich kennt, das schlimmste wird wohl sein das man so verdammt machtlos ist und diese hirnlose Entscheidung einfach so hinnehmen mußt obwohl du ganz anderer Meinung bist und ich denke das du mit deiner Meinung auch richtig liegst, denn nur du kennst Lou wirklich.

Ralf bitte tu uns einen Gefallen, egal was jetzt passiert, schreib bitte weiterhin deine Gedanken hier auf, geh nicht einfach weg und zieh dich zurück, wir sind gerne für dich da. Weißt du es läßt sich alles leichter ertragen wenn man darüber spricht oder schreibt, aber das weißt du selber ganz genau du hast ja auch schon einiges hinter dir.
Ach mensch das Leben ist manchmal sehr ungerecht, laß dich aus der Ferne mal ganz feste :freund::freund:

Petra
12.05.2011, 12:13
über den Wortlaut der Mail die du bekommen hast, gefühlloser ging es jetzt wohl nicht mehr, ich bin erschüttert über soviel kälte.

Die ganze Sache an sich, ist schon schlimm, aber ich muss auch sagen, mir verschlägt diese Formulierung die Sprache. Nüchtern, ja kalt! aus der Ferne geurteilt.

Ralf, auch ich kann sicher nur entfernt beurteilen, wie es dir geht.
Vor 3 Jahren war ich in einer ähnlichen Situation, aber ich konnte mein eigenmächtiges Handeln durchsetzen. Es macht die Sache nicht gerade leichter, wenn man nicht der Eigentümer ist und gegen solche "Fachleute" kämpfen muss.
Es zerreißt einem das Herz, weil sie nicht sehen, was man sieht, weil sie nicht fühlen, was man fühlt und weil man nicht weiß, wie man überzeugen soll.

Für die nächste Zeit wünsche ich dir viel Kraft.
Denke immer daran, dass Lou sich bei dir geborgen fühlte und ja, tröste dich mit dem Gedanken, ihm viel zu ersparen.

In Gedanken werden wir dich und Lou Montag begleiten. :traurig:

Birgit
12.05.2011, 15:07
Hallo Ralf,
auch mir tut es total leid. Es gibt wohl für Tierhalter nichts schlimmeres als einen Termin zum Einschläfern zu machen, in deinem Fall sogar, machen zu müssen. :trau1: Ich fand den Wortlaut der Mail vom Tierschutzhof auch nicht besonders nett, das hätte man auch anders formulieren können.
Allerdings sind Schmerzen oder Angst die Dinge, die ein Hundeleben am meisten einschränken. Aber als Aussenstehender kann man das immer schlecht beurteilen ob ein Tier noch Lebensqualität hat oder nicht.
Ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit und ich hoffe, du bleibst uns hier im Forum erhalten! :smilie_girl_202:

Pino&Lilly
12.05.2011, 15:34
hey ralf,
es tut mir so leid :trau1:. ich weiss gar nicht was ich dir schreiben könnte zum trost :smilie_girl_167:. denn egal was man schreibt oder sagt, es tut trotzdem weh seinen allerbesten freund gehen zu lassen :smilie_girl_202:.
mir steht dies ja auch irgendwann gleich zweimal bevor (ich hoffe aber erst in 16 jahren oder mehr) :smilie_girl_238:.
die mail fand ich auch sehr unterkühlt . etwas netter hätten die es auf jedenfall schreiben können :doh:.
meine gedanken sind am montag bei dir:trau1:. auch ich hoffe das du dem forum erhalten bleibst und vielleicht irgendwann wieder einer leidgeplagten fellnase, ein schönes zuhause bieten wirst. fühl dich :traurig:.

knuddel lou unbekannterweise mal von mir.

Kati
12.05.2011, 23:28
Diese Entscheidung zu treffen, ist schon schwer genug, aber unter solchen Umständen ... :smilie_girl_202: ... es tut mir unendlich leid - für Lou und für Dich !

ralf-fennig
14.05.2011, 16:28
Ich danke Euch.
Morgen besucht uns wahrscheinlich "Buddy", ein dreijähriger Golden-Retriever von dem eine befreundete Hundetrainerin meint er wäre ein guter Nachfolger von Lou. Es ist sicher Spinnerei - aber es tut mir gut zu wissen das Lou ihn noch kennengelernt hat. Kurz. Aber er hat dann die Möglichkeit bei diesem Besuch Buddy zu sagen "kümmere Dich gut um meinen Menschen wenn ich nicht mehr da bin!" - und ich kann mit Buddy dann später ganz anders über Lou reden.
Montag abend, wenn alles vorbei ist, werden Barbara und Martin (das ist dieses Hundetrainer-Ehepaar mit dem ich seit Jahren befreundet bin) hier sein, Lou mit mir zum Krematorium bringen (das wird übrigens großzügig vom Tierheim unterstützt - 150 Euro übernehmen sie und die restlichen 100 bekomme ich als zinsloses Darlehen - dafür habe ich die Möglichkeit zu wissen wo Lou ist) und anschließend fahre ich mit zu den Beiden um dort ein paar Tage nicht allein zu sein und Buddy noch besser kennenzulernen.
Donnerstag abend kann ich Lous Urne abholen.
Wenn ich dann wieder nach Hause gehe wird Buddy dabei sein.

Vielleicht liest sich das Herzlos direkt einen Nachfolger auszuwählen - aber wenn ich hier alleine sitzen würde wäre mir die Gefahr zu groß eine handvoll Herztabletten zu schlucken. Vom Kopf her weiß ich dass das Leben weiter gehen wird - deshalb möchte ich das vermeiden.
Ich muss diese Trauer erleben - aber eben auch überleben.

Hier möchte ich auf jeden Fall weiterschreiben. Auch wenn Buddy gesund ist. Und jung. Aber wenn jemals wieder diese Zeit kommt möchte ich besser vorbereitet sein. Möchte abschätzen können wie sehr ein Hund leben will und möchte (wenn es nötig ist) auch GUTE Argumente haben warum ich für oder gegen "einschläfern" in diesem Fall bin.
Nochmal möchte ich nicht so vage in der Wahrheit "stochern" wenn es um das Leben eines Freundes geht.
Wenn ich (als Kranker und als gelernter Altenpfleger) bei Menschen weiß welche Argumente es gegen die Tötung von Kranken gibt - dann muss ich sie auch bei Tieren kennen um abwägen zu können.

menge
14.05.2011, 18:16
ist das der Tierschutzhof an deinem Wohnort?
Der steht jetzt auch auf meiner Liste, der niemals nicht einen auch nur klitzekleinen Betrag bekommt .
Auf sowas unmenschliches wie diesen Brief kann ich gerne verzichten.
Bekommst Du eigentlich Pflegegeld für Lou , oder bist Du nur gut genug für ihn zu sorgen, aber alle weiteren Kompetenzen werden Dir abgesprochen? Ist ja hammerhart, die könnten mich mal...

Pino&Lilly
14.05.2011, 22:23
lieber ralf,

ich kann dir versichern, wenn meine beiden mal nicht mehr sind, das ich dann auch ganz schnell wieder einen (oder auch zwei) hunde haben werde. denn ich kann auch nie wieder ohne hund sein. kein anderer hund wird mir lilly oder pino je ersetzen können, genauso wie dir kein anderer hund lou ersetzen kann. es ist also nicht herzlos. jeder bewältigt seine trauer anders. buddy wird dir aber mit sicherheit über deine trauer um lou hinweg helfen können. geniesse die zeit die dir mit lou jetzt noch bleibt.
es tut mir wirkleich leid mit lou. fühl dich gedrückt:traurig: und knuddel lou nochmal von mir:lv19:

gwenny
15.05.2011, 18:26
Ich wünsche Dir viel Kraft für die nächste Zeit.
Ich denke es ist immer nur das Gefühl, dass entscheiden kann, wann es soweit ist. Und zwar das Gefühl des Partners und nicht von aussenstehenden Personen. Fast jeder von uns kennt das. Und doch bleibt immer eine Unsicherheit zurück zu früh oder zu spät gehandelt zu haben, jedenfalls ist das bei mir so.
Einen leeren Platz würde es bei mir auch nicht lange geben, dazu gibt es viel zu viel Bedürftige, denen man helfen könnte.

Liebe grüße Ulrike mit Rolli-Gwenny

ralf-fennig
23.05.2011, 18:10
Ja - jetzt ist alles "vorbei".
Lou hat einen Platz in einer Urne auf dem Wohnzimmerschrank.
Buddy hat sich schon ein Stück weit eingelebt - er hat natürlich andere Angewohnheiten als Lou, aber ich bin wenigstens nicht allein. Er ist echt ein ganz Lieber und es tut mir auch ganz gut jetzt wieder spazieren gehen zu können ohne angepöbelt zu werden weil 13jährige Hunde anders aussehen als dreijährige.
Hier sind die Beiden übrigens gemeinsam - letzte Woche Sonntag beim "Kennenlernen":

http://www.ralf-fennig.de/images/kamera-156_540.jpg

Klara
23.05.2011, 19:27
Ich hoffe Du wirst Lou immer in guter Erinnerung behalten, jetzt kommt ein neuer Abschnitt und der heißt " Buddy". Laß dir zeit alles zu verdauen das wird etwas dauern. Man wird auch noch einige Zeit vergleiche anstellen, aber dann kann man sich voll und ganz auf den neuen Kameraden einlassen und das wünsche ich Dir von ganzem herzen:winke:

Kati
23.05.2011, 23:51
"Du bist nicht mehr da, wo Du warst, aber überall, wo wir sind !" - Dein Lou wird Dich und Buddy immer begleiten :winke: und ich wünsche Euch wunderschöne Augenblicke zusammen !