Behinderte Hunde Forum

Zurück   Behinderte Hunde Forum > Unsere Homepage > Behinderte-Hunde.de > Erfahrungsberichte > Taube Hunde

Thema geschlossen
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 20.11.2014, 19:23   #1
Bini
Erfahrener Benutzer
 
Benutzerbild von Bini
 

Registriert seit: 27.08.2007
Ort: D-SH-Wulfsmoor
Beiträge: 331
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 5 Danke für 5 Beiträge
Daumen hoch Der Dalmatiner Aron

Liebe Foris,

hier ein grober Abriss über mein Abenteuer Hund/e und speziell das Leben mit meinem tauben Aron wo im Grunde die hörende Pia nicht fehlen darf. Da es aber um taube Hunde geht wird sie nicht so ausführlich erwähnt. Bei mir leben 2 Dalmatiner, die unterschiedlicher nicht sein können. Ich versuche es zu vermeiden Redewendungen wie - der Dalmatiner ist..., der Dalmatiner kann..., der Dalmatiner kann nicht... - zu verwenden, denn alle Hunde sind individuell und was der eine kann muss der andere nicht zwangsläufig auch können nur weil er der gleichen Rasse angehört.

Ich bin an das Abenteuer, erster eigener Hund, mit folgendem Leitsatz im Hinterkopf heran gegangen:
Wenn man einen Hund in seine Familie aufnehmen möchte, müssen sich erst alle Familienmitglieder einig sein was sie von der neuen Situation erwarten und erhoffen und was sie nicht erdulden und nicht leisten wollen.

Gesagt getan und wir einigten uns auf folgende Eckpunkte:

- Hund - ja (ich wollte ihn und mein Partner akzeptierte es)
- eine Rasse, die mich bei allen meinen Aktivitäten begleiten kann (ich wollte einen Begleiter auf meinen Spaziergängen)
- ich werde die Ausbildung des Hundes voll übernehmen und auch die Gassizeiten und die Zeit in der Hundeschule gehen auf mein Konto (wenn ich einen Hund will muss ich auch die Arbeit übernehmen)
- als Ersthund eine Hündin, der Volksmund sagt ja die wären leichter zu erziehen/führen (ich wollte lieber einen Rüden)
- kein Kläffer
- kurzhaar
- pflegeleicht
- geruchsarm im nassen und trockenen Zustand
- kein Buddler
- kein kleiner Hund

Manche Punkte dieser Liste sind Fakt, andere gehören in den Bereich der Erziehung und hängen dann von mir ab. Wieder andere beschreiben erst mal meinen guten Willen und die Zeit wird zeigen ob ich es leisten kann und wo ich um Unterstützung bitten werden muss. Ich gebe zu, die Meisten „Forderungen“ stellte das zukünftige Herrchen, bei den letzteren waren wir uns einig.

Ich wälzte mich durch ein Rassenbuch und interessante Rassen wurden dann ausführlich besprochen, das war schon mal sehr hilfreich für die Rassefindung. Teilweise konnten wir auch Beobachtungen der Hunde von Bekannten und Freunden mit einbeziehen. Nur auf einen Dalmatiner wären wir nie gekommen, ich wollte nicht so einen Film-Mode-Hund, da half der Zufall nach und ich habe es nie bereut.

Unser erste Hund wurde die Pia, geb. 21.01.2004, weiß/schwarz, aus unkontrollierter Hundeproduktion/Dalmiverpaarung und wir wurden über einen Bekannten, der in der angeheirateten entfernten Familie den Wurf hatte, aufmerksam. Pia ist eine unsichere ängstliche Hündin. Aber über die hörende Pia will ich hier gar nicht ausführlicher schreiben.

Unser zweiter Hund zog im April 2006 bei uns ein. Aron, geb. 29.01.2006, weiß/braun, vom VDH-Züchter und wir wurden über Dalmatiner in Not auf ihn aufmerksam. Ich suchte speziell nach einem Hund der gehörlos war und verliebte mich umgehend in sein Foto.

Wir bekamen einen tauben, sicheren, mutigen, psychisch eher robusten, sehr gelehrigen und verfressenen Hund. Mein Traum von einem Rüden wurde wahr.

Ich besuchte die gleiche Hundeschule wie bei Pia und bildete Aron mit Sichtzeichen und Körpersprache aus. Er war super gelehrig und es ging sehr schnell. Es wurde schon unangenehm, in der HuSchu immer als Vorzeigeteam genannt zu werden. Einiges brauchte besondere Ideen um bestimmte Ausbildungsschritte mit einem gehörlosen Hund durchzuführen, da war oft die Kreativität gefragt. Der Rückruf klappte, er vertrug sich mit anderen Hunden, er verstand sich prima mit Pia. Er wurde auch stubenrein, durch Pia waren wir verwöhnt, sie war nach einer Woche stubenrein, bei Aron dauerte es doch länger. Ich hatte keinen Anlass zum Klagen und als die Zeit der Pubertät von Aron näher rückte wurde ich unsicher.

Auch bei der Pubertät von Hunden entsteht eine Baustelle im Kopf und alles gelernte ist plötzlich nicht mehr so toll abrufbar. Ich bekam Angst Aron würde dann den Rückruf verweigern, bzw. nicht mehr zu mir zurück schauen. Ich bekam Gedanken von Unfällen, dass er auf die Straße läuft und die Fahrzeuge nicht hört usw. Da Hunde die Unsicherheit ihres Hundeführers spüren und dann selber verunsichert werden, musste ich mir was überlegen. Ich brauchte einen verlängerten Arm und entschied mich für ein Vibrationshalsband. Es ist ein Gefühl wie bei einem vibrierenden Handy und um das beim Hund richtig zu verknüpfen, ging ich mit dem neuen Hilfsmittel in die bewährte BHV-Hundeschule. Dort lernte ich wie es richtig benutzt wird und so ging ich völlig entspannt auf die kommende Zeit zu.
Aron lernte beim Vibrieren zu mir zu schauen und dann konnte ich die schon vermittelten Zeichen geben. Die Pubertät überstanden wir völlig problemlos auch zeigte Aron keinen unkontrollierten Jagdtrieb, er schaute immer erst zu mir um sich seine Kommandos abzuholen wenn er Rehe sah. Er war und ist heute noch ein Traum.

Arons Charme und sein Dalmatiner-Lachen bringen mich heute noch zum Schmelzen. Uns verbindet eine tiefes Vertrauen und ein inniges Zusammengehörigkeitsgefühl, er folgt mir auf Schritt und Tritt.

Er unternimmt gerne alles mit seiner Familie und fährt gerne Auto. Er benutzt sein Bellen nur zum Anzeigen (Frauchen geh mal schauen, da ist was), er buddelt nicht den Garten um und hat eine gute Nase. Im Haus schaut/schnüffelt er oft wo ich zu finden bin, ist also nicht so ruhig wie Pia die ja das klappern der Tastatur im Büro hört. Er ist ein kurzhaariger Dauerhaarer, pflegeleicht und in jeder Beziehung geruchsarm. Er begeistert beim Mantrailing und bei Jux-Turnieren. Er läuft gerne am Rad und hat ein tolles Gangbild. Intelligenz-Spielzeug, welches mit Futter bestückt werden kann, ist sein Ding. Ihm das Apportieren von Spielzeug beizubringen war harte Arbeit, er wird nie ein Balljunkie, aber er bringt mit Freude Dinge des Alltags wie verlorene Taschentücher-Packungen oder Handys. Im Wasser ist er ein begeisterter Apportierer.

Vom Gebäude her würde er auf Ausstellungen sicher nicht immer leer ausgehen, da grüßt der prämierte Vater. Aron zeigt allergiebedingte Hautprobleme, und im Jungendalter leichten Harngries, den wir durch die Frischfütterung mit besonderem Augenmerk auf Purin völlig einstellen konnten. Er hat eine tolle Figur, trotz Kastration.

Ich danke allen, die mir Mut gemacht haben einen gehörlosen Hund aufzunehmen und ich bin froh, diese Herausforderung angenommen zu haben. Wir haben auch mit Aron einen tollen Familienhund mit dem ich ab der 12,5-ten Lebenswoche die Welpenschule besuchte, mit dem ich die Junghundeprüfung und den Hundeführerschein/BHV Stufe 2 (ohne Leine) abgelegt habe und den wir überall hin mitnehmen können.

Wir arbeiten nach dem Prinzip der positiven Verstärkung und beherzigen das Motto, Belohnen statt Bestechen.

Für Pia war der Aron mit seinem Wesen genau der richtige Partner, beide haben viel voneinander gelernt und sind ein super Team geworden. Viele Ängste konnte der Aron der Pia nehmen indem er ihr unerschrocken vormachte was alles geht. Wiederum zeigte Pia ihm, was der Mensch bei verschiedenen Sichtzeichen erwartet und das man mit Stöckern die Zähne putzen kann und wie das mit dem Apportieren von Bällen geht und das Zerr- und Rennspiele wirklich Spaß machen können und, und, und. Beide Hunde benötigen keine übermäßige körperliche Auslastung wie tägliche Radtouren, sondern einen guten Mix aus Kopfarbeit, Schnüffelaktionen, körperlicher Betätigung und Ruhephasen und das alles ganz viel gemeinsames mit Herrchen und Frauchen. Beide Hunde lieben den Freilauf, das an der Leine gehen ist für sie recht anstrengend und keine Freude. Beide Hunde kamen in einen Haushalt mit 2 Katern, alle 4 haben sich gegenseitig akzeptiert und respektiert.

Beide lieben im Winter den Schnee und im Sommer die Wärme. Bei Kälte muss Bewegung gewährleistet sein und bei Wärme der Platzwechsel von Sonne in den Schatten. Regenwetter meiden beide, da liegt man doch lieber so lange wie möglich in der Schlafhöhle. Muss es dennoch mal bei Sturm und Regen ein Gassigang sein, lieben sie ihre schützenden Mäntel.

Durch diese beiden Prachtexemplare ist auch Herrchen ein begeisterter Hundemensch geworden, der heute viele Aufgaben mit den und für die Hunde übernimmt.

Mein tauber Aron ist mit das Beste was mir je begegnet ist.
__________________
LG Bini mit Lakritznase Pia & Schokotaubschnute Aron & Lakritztaubnase MM
Bini ist offline  
Thema geschlossen

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 11:46 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.7.4 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2018, Jelsoft Enterprises Ltd.
Template-Modifikationen durch TMS
(c) Behinderte-Hunde-Forum.de