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Alt 27.11.2015, 13:09   #1
Martecito
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Standard Marte - der kleine Sonderling

Hallo,

hier mal eine Vorstellung des Grundes meiner Anmeldung in diesem Forum.

Martecito.jpg

Marte, Podenco, geb. am 02.12.2011 in einem spanischen Tierheim.

Was weiß ich über ihn?

Er wurde im Tierheim geboren per Kaiserschnitt, es waren wohl 3 Welpen und einen schwere Geburt. Marte hatte angeblich kurzzeitig auch aufgehört zu atmen und musste wiederbelebt werden bzw. hat nach einigen Aussetzern normal geatmet. Im Alter von drei Monaten hatte er sich durch autoaggressives Verhalten die Rute so sehr zerbissen, dass sie bis auf einen 10cm Stummel amputiert wurde. Im Zuge dieser OP wurde er wohl auch gleich kastriert (mit 3-4 Monaten um Welten zu früh, meiner Meinung nach...). Wie genau sich damals das autoaggressive Verhalten geäußert hat, weiß ich nicht.

Mit 6 Monaten hat er dann das erste Mal mit deutlicher Beschädigungsabsicht einen Menschen angegangen und landete somit in einem der hinteren Zwinger bei den hoffnungslosen Fällen. Er kannte bis vor 6 Monaten als er zu mir nach Deutschland kam nur das Tierheim und die nähere Umgebung, seinen Zwinger, den kleinen Auslauf, eine Hand voll anderer Hunde und 3-4 Menschen. Seit der Rutenamputation bekam er zudem Fluoxetin. Mehrere Versuche es auszuschleichen führten zu erneuter massiver Selbstverletzung, weshalb es dann einfach weiter gegeben wurde.

Im Mai diesen Jahres kam er dann zu mir. Das Medikament wurde abgesetzt - in Absprache mit meinem Tierarzt. Der Hund inzwischen gründlich untersucht (Röntgen, Ultraschall, Blutwerte, Urinprobe, Kotprobe etc. pp) und für gesund erklärt - es finden ich auch keine Spuren vergangener Staupeerkrankungen oder anderer Erkrankungen mit bleibenden Schäden.

Was hat mich dann hierher gebracht?

Marte zeigt in Stresssituationen massiv stereotypes Verhalten und verfällt, wenn man ihn nicht stoppt binnen weniger Minuten in autoaggressives oder umweltaggresives Verhalten. Stress ist bei ihm schon das Betreten eines unbekannten Geländes, die Fütterung, fremde Personen/Tiere etc.

Marte ließ sich nicht anfassen bzw. nicht richtig. Seit ich Tellington Touches anwende und Berührungen großflächig und gleichmäßig einsetze, lässt er sich von mir auch an fast allen Körperstellen berühren. Zumindest kurz.

Marte wacht oft aus dem Tiefschlaf auf und rastet erst mal komplett aus - kreiseln, bellen, sich selbst beißen, knurren. Wenn ich ihn dann direkt und zielgerichtet anspreche und berühre (was nur geht, weil er bei uns die meiste Zeit einen Maulkorb anhat), kommt er mir vor wie als würde er dann erst richtig wach werden. Merkt, dass alles gut ist und legt sich wieder schlafen.

Marte agiert zwar sehr fein in der Kommunikation mit anderen Hunden, ist aber oft extrem schnell überfordert und kann dann binnen Sekunden in aggressives bzw. hysterisches Verhalten kippen. Meine drei anderen Hunde nehmen ihn wie er ist und kompensieren seine Anfälle mit Geduld und Ignoranz, sodass ich hier keine Probleme habe, aber fremde Hunde können mit ihm nichts anfangen und reagieren meist sehr ungehalten auf ihn und sein seltsames Verhalten.

Marte wirkt in seiner Motorik oft ein wenig hilflos und überfordert. Und vor allem Sprünge auf etwas drauf gehen ganz gerne mal schief. Zudem kann er Untergründe nicht gut einschätzen und stolpert draußen auch über kleine Stöckchen oder Steine.

Marte ist zudem ein Hund der nicht mit "Mach wie du willst" klar kommt. Meine anderen drei Hunde bekommen ein "legt euch" und verteilen sich nach Lust und Laune auf ihre Liegeplätze. Marte steht solange überfordert rum bis ich ihm konkret und mit direkter Anzeige einen Platz zuweise. Dann wirkt er regelrecht erleichtert und legt sich auch sofort hin.

Marte ist also alles in allem ein kleiner Sonderling.

Mich stört das alles in keiner Weise. Er hat dank intensivem Maulkorbtraining inzwischen alle Freiheiten, die meine anderen Hunde auch haben und wir kommen sehr gut klar miteinander. Wir arbeiten an den bearbeitbaren Baustellen und sind inzwischen schon ein ganz gutes Team.

Trotzdem würde ich gerne wissen, ob es noch etwas gibt, was ich vielleicht probieren könnte? Etwas was man medizinisch vielleicht doch noch abklären sollte? Oder allgemein Anregungen für den Umgang mit Marte?
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Alt 27.11.2015, 18:21   #2
Elibob
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Herzlich Willkommen im Forum. Schön, dass Marte ein Zuhause gefunden hat, wo er geliebt und umsorgt wird.

Gehst Du zu einem Trainer oder Hundeschule? Das könnte ich z.B. raten!
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Liebe Grüße
von Elisabeth mit Quando, Prinz und Dreibeinchen-Mara
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Alt 27.11.2015, 18:33   #3
quelly
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Servus aus Tirol, dies sind die Rollihündinen Maxi und Lady Sonnenschein und 3 Bein Lissy mit Renate
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Alt 27.11.2015, 20:11   #4
Martecito
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Hallo ihr Zwei,

danke für das Willkommenheißen!

@Elibob: Hundetrainer bzw. Hundeschule macht mometan 1. keinen Sinn, weil Marte sich mit fremden Menschen und fremden Situationen nur sehr, sehr langsam anfreundet bzw. überhaupt aufnahmefähig ist er eh nur in direkter Interaktion mit mir. Sobald z.B. meine Mitbewohnerin, die er genauso kennt und die auch viel mit ihm zu tun hat, etwas von ihm will, wird er hektisch oder aggressiv. Da sehe ich wenig Sinn mir extern jemanden hinzustellen, der mir dann zu gucken kann , wie ich einen Brummkreisel-Hund versuche zu beruhigen...und 2. wüsste ich nicht, wo ich anfangen soll zu suchen um einen Trainer zu finden, der mir wirklich helfen kann. Das Standardzeug (und ja egal welche Richtung) ist bei Marte - zumindest derzeit - nicht umsetzbar.
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Alt 27.11.2015, 22:17   #5
Theo
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Hallo und herzlich

Ich denke, wenn Marte einen geregten Tagesablauf hat, wird sich alles von alleine wieder einpendeln. Einfach gesagt, braucht aber seine Zeit. Sind körperliche Beschwerden ausgeschlossen? CT/MRT wurden gemacht?

Unterstützend würde ich Vitamin B geben, auch ein Pheromestecker kann hilfreich sein.

LG
Anja mit 3 Bein Theo und Abby
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Alt 28.11.2015, 08:37   #6
Elibob
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Zitat:
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Hallo ihr Zwei,

@Elibob: Hundetrainer bzw. Hundeschule macht mometan 1. keinen Sinn, weil Marte sich mit fremden Menschen und fremden Situationen nur sehr, sehr langsam anfreundet bzw. überhaupt aufnahmefähig ist er eh nur in direkter Interaktion mit mir. Sobald z.B. meine Mitbewohnerin, die er genauso kennt und die auch viel mit ihm zu tun hat, etwas von ihm will, wird er hektisch oder aggressiv. Da sehe ich wenig Sinn mir extern jemanden hinzustellen, der mir dann zu gucken kann , wie ich einen Brummkreisel-Hund versuche zu beruhigen...und 2. wüsste ich nicht, wo ich anfangen soll zu suchen um einen Trainer zu finden, der mir wirklich helfen kann. Das Standardzeug (und ja egal welche Richtung) ist bei Marte - zumindest derzeit - nicht umsetzbar.
Ahso, dann kann ich nur vom Training momentan abraten. Das hat überhaupt keinen Sinn, verstehe.
Doch ich würde dann Marte zuerst mal ankommen lassen wie Renate schon geschrieben hat, klare Richtlinien zeigen und ich kann nur die Daumen drücken, dass es sich dann etwas normalisiert. TA kannst Du ja immer mal wieder fragen bzw. um Rat bitten.
Bitte halte uns auf dem Laufenden, das wird, keine Sorge, braucht eben immer Zeit und Geduld, was besser geschrieben ist, wie in die Tat umgesetzt oftmals. Du schaffst das aber
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Liebe Grüße
von Elisabeth mit Quando, Prinz und Dreibeinchen-Mara
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Alt 28.11.2015, 12:38   #7
Theo
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Ich schliesse mich Elisabeth an. Das wird mit der Zeit besser werden.

Achte bitte auch darauf, dass Marte genug Schlaf bzw. Ruhezeiten bekommt. Manchmal muss man sie zur Ruhe zwingen. http://www.hundeerziehung-online.com...cht-der-hunde/ http://hund.info/gesundheit/welches-...nde-haben.html

Ich seid ein tolles Team und ich bin mir sicher, alles wird gut

Kannst du Marte ableinen, oder habt ihr einen Hundeauslauf in der Nähe? Podencos haben ja auch einen großen Jagdtrieb.

LG
Anja mit 3 Bein Theo und Abby

Geändert von Theo (28.11.2015 um 12:47 Uhr)
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Alt 28.11.2015, 17:37   #8
Martecito
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@Theo: Körperliche Beschwerden sind so gut wie ausgeschlossen - es wurden alle Blutwerte mehrmals getestet, es wurde der ganze Hund geröngt, alle Gelenke, ganze Wirbelsäule, Hüfte etc. und es wurde ein gründlicher Ultraschall gemacht. Ein MRT/CT wurde allerdings bisher noch nicht gemacht, da ich ihm nicht allzu viel Stress zumuten wollte. Und für sowas muss er dann schon vorsediert werden zuhause und dann für alle Untersuchungen in Vollnarkose gehalten werden - egal um was es geht - und das haben wir jetzt zwei Mal durch (bzgl. Ultraschall, Röntgen) bei meinem Haus-TA. Aber eben mit kurzer Anreise etc. Für ein MRT/CT muss ich mindestens 3 Stunden Fahrt einplanen und das ist mir zur Zeit noch zu stressig für den kleinen Stummelbuben. Grundsätzlich geplant, ist es aber schon.

Vitamin B für was genau? Für die Motorik?
Spreche ich mal bei meinem TA an.

Pheromone etc. bringen bei Marte nichts.
Haben wir schon probiert. Auch diverse Beruhigungssachen auf pflanzlicher Basis. Ich merke auch bei längerer Anwendung keinen Unterschied. Er hat dann weiterhin coole und relaxte Tage und Tage mit extrem schlechter Laune und sehr niedriger Reizschwelle...

Ruhe ist eigentlich kein Thema - solange keine zig fremden Menschen anwesend sind oder iwas ganz aufregend war. In der Anfangszeit war er sehr nervös, aber inzwischen hat er einen festen Platz auf einer Bettecke, ein festes Kissen - zumindest nachts - und schläft auch wirklich viel und gut. Ab und an hat er halt diese "Wachwerdanfälle" mitten in der Nacht, danach schläft er aber gut und entspannt weiter. Ich hab meist das Gefühl, dass er schlecht geträumt hat bzw. irgendwie im Traum am Wüten war, dann aufwacht und weiter wütet bis er merkt, dass alles gut ist...

Ableinen kann ich ihn nicht, da er null Gefühl hat für Abstände, Höhen etc. - er hört zwar, aber wenn ich nicht aufpasse wie ein Schießhund fällt er iwo runter oder läuft iwo dagegen beim Schnüffeln...Schleppleinenlänge maximal 3-4m, alles andere ist zu gefährlich...aber keine Sorge, ich habe 1400qm eingezäuntes Grundstück, da kann er sich austoben.

@Elibob: Trainer an sich fände ich schon mal spannend, einfach um zu sehen wie ein objektiver Fachmann ihn beurteilt. Aber dazu muss er erst mehr ankommen und vor allem ich muss Trainer finden, die mit "besonderen Hunden" Erfahrung haben und mit Podencos...er ist nämlich, wenn er Hund ist ein typischer Podi und hat somit mit einem "normalen Hund" auch in Hundezustand nichts zu tun...*lach*
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Alt 28.11.2015, 18:21   #9
quelly
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Hallo
Also Vitamin B ist auch gut für die Nerven.
Hast Du schon mal was von Basaler Stimulation gehört. Wird angewendet in der Krankenpflege (Auszüge daraus auf dier Intensivstation, Altenheimen, Behindertenheimen). Dasselbe mit Snoezelen. Schau Dir mal die Sachen genauer an über Google. Vielleicht kannst Du da etwas für Deinen Hund abwandeln. Meine beiden Rollihunde mögen auch ganz gerne die Körpergrenzen spüren. Das heisst ich nehme eine Decke oder Badetücher einfach soviele wie ich benötige rolle diese und wenn der Hund liegt, dann modeliere ich am ganzen Hund entlang mit der Decke und decke sie dann noch zu.
Versuch es vielleicht einmal mit einer Tierheilpraktikerin oder Tierheilpraktiker. Vielleicht haben diese noch eine Idee.

Renate mit Maxi, Lissy, Lady Sonnenschein
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Alt 28.11.2015, 18:21   #10
Elibob
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Das ist ja eine ganz spannende Sache, wenn auch total aufregend! Wie Du berichtest, habt Ihr Euch wirklich gut zusammengefunden und ehrlich gesagt, ich glaube, dass sich vieles oder etliches in absehbarer Zeit dann auch positiv ändern wird! Alles schön der Reihe nach und das wird!
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